Rasenpflege im Sommer: Bewässern, Mähen und Vertikutieren richtig kombinieren

Im Sommer braucht der Rasen keine möglichst intensive Pflege, sondern die richtigen Handgriffe zum passenden Zeitpunkt. Durchdringendes Bewässern und ein etwas höherer Schnitt stärken die Gräser. Vertikutieren kann bei Hitze und Trockenheit dagegen mehr schaden als nützen.

Entscheidend ist deshalb das Zusammenspiel der einzelnen Arbeiten. Wer morgens wässert, erst nach dem Abtrocknen mäht und grössere Eingriffe auf eine mildere Wetterphase verschiebt, bringt den Rasen wesentlich besser durch den Sommer.

Erst beobachten, dann zum Gartengerät greifen

Nicht jeder Rasen benötigt dasselbe Pflegeprogramm. Ein intensiv genutzter Spielrasen hat andere Ansprüche als eine wenig betretene Fläche. Auch Boden, Sonneneinstrahlung, Niederschlag und Gräsermischung beeinflussen den Wasserbedarf und das Wachstum.

Bevor gewässert wird, lohnt sich ein kurzer Gang über die Fläche. Bleiben Fussabdrücke länger sichtbar, richten sich die Halme nur langsam wieder auf oder wirkt das Grün matt und bläulich, kann Wassermangel vorliegen. Ein einzelner heisser Nachmittag ist dagegen noch kein Grund, den Rasensprenger täglich laufen zu lassen.

Vorübergehend gelb oder braun gewordener Rasen ist zudem nicht immer abgestorben. Etablierte Gräser können bei Trockenheit ihr Wachstum stark reduzieren und nach ergiebigem Regen wieder austreiben. Wer eine dauerhaft grüne Fläche wünscht, muss allerdings rechtzeitig und ausreichend bewässern.

Lieber selten und gründlich bewässern

Kurzes tägliches Sprengen befeuchtet häufig nur die obersten Zentimeter des Bodens. Die Graswurzeln bleiben dadurch oberflächennah und reagieren umso empfindlicher, wenn das Wasser einmal ausbleibt. Sinnvoller ist eine kräftige Wassergabe in grösseren Abständen.

Als Orientierung gelten bei trockenem Sommerwetter etwa 15 bis 25 Liter Wasser pro Quadratmeter und Woche. Je nach Boden, Temperatur, Wind und Sonneneinstrahlung kann der tatsächliche Bedarf abweichen. Sandige Böden speichern weniger Wasser und benötigen eher kleinere, dafür etwas häufigere Gaben. Schwere Böden nehmen Wasser langsamer auf. Dort kann die berechnete Menge in zwei aufeinanderfolgenden Durchgängen ausgebracht werden, damit nichts oberflächlich abfliesst.

Frisch ausgesäter oder neu verlegter Rasen bildet eine Ausnahme. Seine Wurzeln reichen noch nicht tief genug. Bis die Fläche sicher angewachsen ist, muss die obere Bodenschicht gleichmässig feucht bleiben.


Ein Rasensprenger verteilt das Wasser grossflächig, doch erst die gemessene Menge zeigt, ob genug im Wurzelbereich ankommt. Mehrere gerade Gefässe auf dem Rasen helfen dabei: Ein Millimeter gesammeltes Wasser entspricht ungefähr einem Liter pro Quadratmeter.

Die Wassermenge einfach nachmessen

Wie viel Wasser tatsächlich aus dem Sprenger kommt, lässt sich mit einem einfachen Test feststellen. Dazu werden mehrere gerade Gefässe, beispielsweise leere Konservendosen, auf der Rasenfläche verteilt. Nach dem Bewässern wird die Wasserhöhe gemessen.

Ein Millimeter Wasserstand entspricht ungefähr einem Liter Wasser pro Quadratmeter. Haben sich in den Gefässen beispielsweise 20 Millimeter gesammelt, wurden rund 20 Liter pro Quadratmeter verteilt. Mehrere Gefässe zeigen gleichzeitig, ob der Sprenger die Fläche gleichmässig erreicht oder einzelne Bereiche trocken bleiben.

Der frühe Morgen ist für die Bewässerung besonders günstig. Dann ist der Boden vergleichsweise kühl und ein geringerer Anteil des Wassers verdunstet. In der Mittagshitze geht deutlich mehr Wasser verloren. Wird erst spät am Abend gewässert, können Halme und Bodenoberfläche über viele Stunden feucht bleiben. Das kann bei ungünstiger Witterung Pflanzenkrankheiten begünstigen.

Vor dem Bewässern sollten ausserdem mögliche Einschränkungen der Gemeinde oder des Wasserversorgers geprüft werden. Bei lokalen Sparaufrufen oder Bewässerungsverboten haben die behördlichen Vorgaben Vorrang.

Im Sommer nicht zu kurz mähen

Ein raspelkurzer Rasen mag unmittelbar nach dem Mähen ordentlich wirken, ist im Hochsommer aber empfindlich. Längere Halme beschatten den Boden, verringern die Verdunstung und ermöglichen den Gräsern eine grössere Blattfläche für die Photosynthese.

Für einen gewöhnlichen Gebrauchsrasen sind im Sommer etwa vier bis fünf Zentimeter eine brauchbare Orientierung. Während ausgeprägter Hitze- und Trockenperioden darf der Rasen noch etwas höher bleiben. Schattenrasen sollte grundsätzlich nicht zu tief geschnitten werden.

Hilfreich ist die Drittelregel: Bei einem Mähgang sollte höchstens etwa ein Drittel der vorhandenen Halmlänge entfernt werden. Ist der Rasen nach den Ferien stark gewachsen, wird er deshalb nicht sofort auf die gewohnte Höhe zurückgeschnitten. Besser sind mehrere Mähgänge mit einigen Tagen Abstand.

Weitere Hinweise zur richtigen Reihenfolge ausserhalb der Hochsommerphase bietet der Ratgeber zur Rasenpflege im Frühling.


Regelmässiges Mähen fördert eine dichte Grasnarbe, solange die Halme nicht zu stark gekürzt werden. Im Sommer sollten etwa vier bis fünf Zentimeter stehen bleiben. Bei ausgeprägter Hitze schützt ein etwas höherer Rasen den Boden zusätzlich vor schneller Austrocknung.

Scharfe Messer sorgen für einen sauberen Schnitt

Die Mähmesser sollten scharf und unbeschädigt sein. Stumpfe Messer schlagen die Halme ab, statt sie sauber zu schneiden. Ausgefranste Spitzen trocknen schneller aus und lassen die Fläche kurze Zeit später grau oder bräunlich wirken.

Gemäht wird möglichst bei trockenem Gras und nicht während der grössten Tageshitze. Nasse Halme verkleben im Mähwerk, werden ungleichmässig erfasst und können als schwere Klumpen auf der Fläche liegen bleiben. Auch direkt nach einer ausgiebigen Bewässerung sollte der Rasenmäher deshalb noch warten.

Wie oft gemäht werden muss, entscheidet das Wachstum. Bei warmem Wetter mit regelmässigem Regen kann ein wöchentlicher Schnitt sinnvoll sein. Während Trockenperioden wächst der Rasen deutlich langsamer. Dann werden die Abstände verlängert oder das Mähen vorübergehend ganz ausgesetzt.

Mulchmähen funktioniert nur mit feinem Schnittgut

Beim Mulchmähen wird das fein zerkleinerte Schnittgut auf der Fläche verteilt. Es enthält Nährstoffe und kann den Boden leicht vor Austrocknung schützen. Das funktioniert jedoch nur, wenn regelmässig gemäht wird und die abgeschnittenen Halme kurz und trocken sind.

Lange, feuchte Schnittreste bilden Klumpen. Darunter gelangt weniger Licht und Luft an die Grasnarbe. Wer nach einer Wachstumspause viel Material abschneiden muss, sammelt es deshalb besser auf. Auch krankes oder stark verpilztes Schnittgut sollte nicht als Mulch auf dem Rasen verbleiben.

Vertikutieren ist keine normale Sommerarbeit

Beim Vertikutieren schneiden senkrecht arbeitende Messer in die Filzschicht und lösen abgestorbene Pflanzenreste sowie Moos. Der Eingriff kann sinnvoll sein, wenn sich tatsächlich eine dichte Filzschicht gebildet hat. Als routinemässige Massnahme für jeden Rasen ist er jedoch ungeeignet.

Während Hitze, Trockenheit oder einer sichtbaren Ruhephase sollte keinesfalls vertikutiert werden. Die ohnehin belasteten Gräser verlieren dabei zusätzlich Blattmasse und können beschädigt werden. Gleichzeitig fehlen gute Bedingungen für die Regeneration und eine mögliche Nachsaat.

Geeigneter sind das Frühjahr oder eine mildere, ausreichend feuchte Phase gegen Ende des Sommers beziehungsweise im frühen Herbst. Der Boden sollte feucht, aber nicht nass sein, und die Gräser müssen aktiv wachsen. Kündigt sich unmittelbar danach wieder eine längere Hitzeperiode an, wird die Arbeit besser verschoben.


Vertikutieren entfernt Moos und eine ausgeprägte Filzschicht, belastet dabei aber auch die Gräser. Die Arbeit gehört deshalb in eine milde Phase mit feuchtem Boden und aktivem Wachstum. Während Hitze oder Trockenheit bleibt der Vertikutierer besser im Geräteschuppen.

Wenn Vertikutieren nötig ist: möglichst schonend arbeiten

Vor dem Vertikutieren wird der trockene Rasen gemäht. Anschliessend werden die Messer so eingestellt, dass sie den Filz anritzen und herausarbeiten, aber nicht tief durch den Boden pflügen. Eine zu tiefe Einstellung reisst gesunde Wurzeln heraus und hinterlässt unnötig grosse Lücken.

Bei kleineren Flächen kann ein stabiler Eisenrechen die schonendere Alternative zum Motorgerät sein. Nach dem Arbeitsgang wird das gelöste Material vollständig aufgenommen. Kahle Stellen lassen sich anschliessend nachsäen. Voraussetzung ist, dass die neue Saat über mehrere Wochen zuverlässig feucht gehalten werden kann.

Verdichteter Boden verlangt übrigens nach einer anderen Massnahme. Beim Aerifizieren oder Belüften werden Löcher in den Boden eingebracht, damit Luft und Wasser leichter in den Wurzelbereich gelangen. Vertikutieren entfernt dagegen hauptsächlich Filz und Moos. Beide Arbeiten werden häufig verwechselt.

Nach dem Vertikutieren braucht der Rasen Ruhe

Eine frisch vertikutierte Fläche sieht zunächst oft erschreckend dünn aus. Das ist nicht automatisch ein Zeichen für einen Fehler. Entscheidend ist, dass die verbleibenden Gräser anschliessend gute Wachstumsbedingungen erhalten.

Die Fläche sollte für einige Tage möglichst wenig betreten werden. Eine Nachsaat darf nicht austrocknen. Dünger wird nur passend zum Zustand des Rasens, zur Jahreszeit und nach Herstellerangabe eingesetzt. Auf völlig trockenem Boden oder unmittelbar vor starker Hitze ist eine Düngung ungünstig.

So sieht ein sinnvoller Sommerablauf aus

  • Am frühen Morgen bewässern: nicht täglich oberflächlich, sondern bei Bedarf durchdringend.
  • Wassermenge kontrollieren: mit mehreren geraden Gefässen prüfen, wie gleichmässig der Sprenger arbeitet.
  • Rasen abtrocknen lassen: erst danach mähen.
  • Schnitthöhe anheben: im Sommer mindestens etwa vier bis fünf Zentimeter stehen lassen, bei Hitze etwas mehr.
  • Drittelregel beachten: nie zu viel Halmlänge auf einmal entfernen.
  • Vertikutieren verschieben: bei Hitze und Trockenheit findet kein solcher Eingriff statt.
  • Spätsommer prüfen: nur bei echtem Filzproblem, aktivem Wachstum und günstiger Wetterprognose vertikutieren.

Weniger Rasen kann ebenfalls eine Lösung sein

Flächen, die jedes Jahr trotz grossem Aufwand vertrocknen oder im Schatten vermoosen, sind möglicherweise kein guter Rasenstandort. Dort können Bodendecker, Wildstauden, Kräuterrasen oder kleinere Wiesenbereiche pflegeleichter sein.

Es muss nicht gleich die gesamte Rasenfläche verschwinden. Bereits einzelne Wildblumeninseln reduzieren den Mäh- und Wasserbedarf und schaffen zusätzliche Nahrung für Insekten. Spiel- und Liegebereiche können weiterhin als klassischer Rasen gepflegt werden.

Video-Tipp: Rasenpflege im Sommer

Das deutschsprachige Video zeigt kompakt, worauf es beim Mähen, Bewässern und Pflegen des Rasens während der warmen Monate ankommt. Der Inhalt passt direkt zum Thema und stammt vom offiziellen YouTube-Kanal von STIHL.



Fazit

Gute Rasenpflege im Sommer bedeutet vor allem, unnötigen Stress zu vermeiden. Der Rasen wird selten, aber durchdringend bewässert, nicht zu kurz und nur mit scharfen Messern gemäht. Vertikutieren gehört dagegen nicht in eine heisse oder trockene Wetterphase. Wer diesen Eingriff auf einen milden Zeitraum mit aktivem Graswachstum verschiebt, gibt der Fläche eine echte Chance, sich wieder zu schliessen.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © RachenArt/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Pavel Str/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © New Africa/Shutterstock.com; Bild 4: Symbolbild © Katerina Dalemans/Shutterstock.com

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