Winter mit Wildtieren im Garten: Welche Tiere kommen – und wie man ihnen hilft
von belmedia Redaktion Allgemein Gartengestaltung Gartenpraxis Jahreszeiten News Pflanzen Tiere
Wenn der Garten im Winter kahl und still wirkt, ist er in Wirklichkeit voller Leben. Wer genau hinschaut, entdeckt Besucher, die den Garten als Lebensraum, Futterquelle und Unterschlupf nutzen – vom Rotkehlchen bis zum Fuchs.
Ein Garten im Winter ist kein toter Ort. Er ist ein Refugium für Dutzende von Wildtierarten, die in der kalten Jahreszeit auf genau solche Rückzugsorte angewiesen sind. Hecken bieten Singvögeln Schutz vor dem Wind, Laubhaufen beherbergen Igel und Kröten, alte Holzstapel sind Winterquartier für Käfer und Spinnen, und offene Wasserstellen werden von Vögeln und Kleinsäugern dringend gebraucht. Wer seinen Garten kennt und versteht, welche Gäste er anzieht, kann gezielt helfen – und erlebt dabei ein Naturschauspiel direkt vor der Haustür.
Vögel: Die sichtbarsten Wintergäste
Vögel sind im Winter die auffälligsten Gartenbewohner. Während die Zugvögel längst in wärmeren Regionen sind, bleiben viele heimische Arten das ganze Jahr über in der Schweiz – und sind im Winter besonders auf gartennahe Lebensräume angewiesen, weil das natürliche Nahrungsangebot stark zurückgeht.
Welche Vogelarten kommen in den Wintergarten?
Die Artenvielfalt im Wintergarten hängt stark von der Lage, der Bepflanzung und dem Nahrungsangebot ab. In einem typischen Schweizer Hausgarten können im Winter bis zu 20 verschiedene Vogelarten beobachtet werden.
- Kohlmeise und Blaumeise: häufigste Wintergäste, kommen täglich ans Futterhaus
- Rotkehlchen: einzelgängerisch, bevorzugt Nahrung am Boden, liebt Mehlwürmer
- Amsel: sucht unter Büschen nach Würmern und Früchten, kommt selten ans Häuschen
- Buchfink und Bergfink: oft in Gruppen, fressen Sonnenblumenkerne und Hirse
- Kleiber: läuft kopfüber an Baumstämmen herunter, frisst Nüsse und Kerne
- Buntspecht: besucht Meisenkörbe und Erdnussnetze, hört man oft bevor man ihn sieht
- Wacholderdrossel: kommt in Trupps, frisst Beeren und liegengebliebene Äpfel
Die besten Beobachtungszeiten sind früh morgens und am späten Nachmittag. App-Empfehlung: «ornitho.ch» der Schweizerischen Vogelwarte Sempach – Beobachtungen können direkt eingetragen und mit anderen geteilt werden. Fernglas mit 8×42 Vergrösserung ist ideal für den Garten. Futterhaus nahe ans Fenster stellen – so sind die Vögel gut sichtbar und gewöhnen sich schnell an die Nähe.
Säugetiere: Nachtaktive Gartenbewohner
Viele Säugetiere, die den Garten im Winter besuchen, tun das unbemerkt – meist nachts und leise. Trotzdem hinterlassen sie Spuren: Fussabdrücke im Schnee, umgegrabene Erde, angenagtes Holz oder leere Vogelfutterstellen am Morgen.
Der Fuchs: Regelmässiger Nachtbesucher
In der Schweiz ist der Fuchs in vielen Gärten regelmässiger Gast – besonders in Vorstadtlagen. Im Winter ist er besonders aktiv, weil das Nahrungsangebot knapper wird. Fuchsspuren im Schnee sind oft der erste Hinweis auf seinen Besuch. Der Fuchs frisst im Wintergarten Mäuse, Regenwürmer, gefallene Früchte und gelegentlich auch Vogelfutter, das auf den Boden gefallen ist. Er ist scheu und harmlos – Begegnungen am Tag können jedoch auf Krankheit hinweisen.
Ein gesunder Fuchs meidet Menschen und flieht bei Annäherung. Kein Futter absichtlich auslegen – das macht Füchse zutraulich und ist in vielen Gemeinden verboten. Kompostbehälter sichern – Füchse sind geschickte Öffner. Hühner und Kaninchen im Aussengehege müssen fuchssicher untergebracht sein. Tritt ein Fuchs tagsüber auf und wirkt desorientiert: kantonalen Wildhüter informieren.
Igel: Winterschlaf im Laubhaufen
Der Igel hält zwar Winterschlaf, kann aber an milden Wintertagen kurz aufwachen und den Garten durchstreifen – auf der Suche nach Wasser oder einem besseren Schlafplatz. Wer im Winter einen Igel im Garten antrifft, sollte ihn in Ruhe lassen, solange er sich normal verhält. Ein Igel, der taumelt, sehr mager wirkt oder bei Kälte aktiv ist, braucht Hilfe.
Reh und Hase: Besucher aus der Umgebung
In Gärten am Siedlungsrand oder in ländlichen Gebieten sind Rehe und Feldhasen im Winter häufige Gäste. Sie suchen nach Nahrung, wenn Felder und Wiesen unter Schnee liegen. Rehe knabbern dabei gerne an Obstbäumen, Ziersträuchern und Koniferen – was für Gartenbesitzer ärgerlich, für die Tiere aber überlebenswichtig ist. Wildverbissschutz an wertvollen Bäumen und Sträuchern lohnt sich in solchen Lagen.
- Reh: knabbert an Obstbäumen, Rosen und Koniferen – Verbissschutz empfohlen
- Feldhase: frisst Rinde junger Bäume und Gemüsereste – besonders in schneereichen Wintern
- Eichhörnchen: sucht vergrabene Vorräte, besucht Vogelfutterstellen
- Maus und Spitzmaus: aktiv unter der Schneedecke, wichtige Nahrungsquelle für Fuchs und Eule
- Dachs: verlässt den Bau an milden Winternächten, sucht Würmer und Insektenlarven
Amphibien und Reptilien: Kältestarre im Garten
Frösche, Kröten, Eidechsen und Blindschleichen verbringen den Winter in der Kältestarre – versteckt unter Steinen, in Erdlöchern, im Kompost oder unter Laubhaufen. Sie sind im Winter nicht sichtbar, aber trotzdem im Garten präsent. Wer seinen Garten im Winter aufräumt und dabei Laubhaufen wegräumt oder Kompost umdreht, zerstört möglicherweise wichtige Winterquartiere.
Laubhaufen und Reisighaufen im Winter stehen lassen – sie sind Winterquartier für Kröten, Eidechsen und Blindschleichen. Kompost erst ab März umsetzen. Steinhaufen und Trockenmauern bieten Unterschlupf für Reptilien. Gartenteich nicht vollständig zufrieren lassen – Frösche überwintern am Teichgrund und brauchen Sauerstoff.
Insekten: Überwinterer im Verborgenen
Was im Winter kaum sichtbar ist, macht mengenmässig den grössten Teil der Gartenwildtiere aus: Insekten. Marienkäfer überwintern in Gruppen unter Rinde und in Holzspalten. Schmetterlinge wie der Zitronenfalter hängen reglos an Zweigen oder verstecken sich im dichten Geäst. Hummelköniginnen verbringen den Winter in kleinen Erdhöhlen. Wildbienen überwintern in hohlen Stängeln, Totholz und Erdhöhlen.
Was im Garten für Insekten getan werden kann
Der grösste Fehler im Wintergarten ist zu viel Ordnung. Wer alle Staudenhalme abschneidet, Laubhaufen entfernt, Totholz verbrennt und den Garten penibel aufräumt, vernichtet Tausende von überwinternden Insekten. Staudenhalme stehen lassen, Totholz im Garten belassen und auf das Verbrennen von Laub verzichten – das sind die wirkungsvollsten Massnahmen für den Insektenschutz im Winter.
- Staudenhalme stehen lassen bis März – Wildbienen überwintern in den hohlen Stängeln
- Totholzhaufen anlegen – Lebensraum für Käfer, Spinnen und Asseln
- Laub nicht verbrennen – als Mulch unter Sträuchern ist es wertvoller Lebensraum
- Insektenhotel aufhängen – ab 2 Meter Höhe, Südausrichtung, trocken und windgeschützt
Offene Wasserstelle: täglich kontrollieren und auftauen – für Vögel und Kleinsäuger überlebenswichtig. Laubhaufen: mindestens einen stehen lassen, möglichst in ruhiger Gartenecke. Vogelfutterhaus: von November bis März täglich bestücken und wöchentlich reinigen. Licht reduzieren: Aussenbeleuchtung auf Bewegungsmelder umstellen – Lichtverschmutzung stört nachtaktive Tiere. Keine Pestizide: auch im Winter Insektizide und Schneckenkörner weglassen.
Spuren lesen: Was verrät der Schnee?
Schnee ist das perfekte Spurenbuch der Tierwelt. Wer morgens in den Garten tritt und die Abdrücke im Neuschnee liest, erfährt, welche Tiere die Nacht im Garten verbracht haben. Rehspuren sind länglich und haben zwei deutliche Schalen. Fuchsspuren verlaufen fast in einer geraden Linie – der Fuchs setzt die Hinterpfoten exakt in die Abdrücke der Vorderpfoten. Hasenpfoten hinterlassen ein charakteristisches Muster mit zwei grossen Hinterpfoten nebeneinander. Vogelspuren zeigen drei nach vorne und einen nach hinten zeigenden Zeh.
Quelle: gartenaktuell.ch-Redaktion
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