Molche willkommen: Teiche und Verstecke für mehr Artenvielfalt
von belmedia Redaktion Allgemein Gartengestaltung Gartenpraxis News Pflanzen Tiere
Molche gehören zu den faszinierendsten Amphibien Europas und sind auch in der Schweiz heimisch. Wer sie im eigenen Garten ansiedeln oder vorhandene Populationen schützen möchte, kann mit einfachen Mitteln viel bewirken.
Dieser umfassende Ratgeber zeigt, wie Gärten zu echten Rückzugsorten für Molche werden können – durch geeignete Teichanlagen, strukturreiche Lebensräume und den bewussten Verzicht auf chemische Hilfsmittel. Der Schutz beginnt im Kleinen, hat aber grosse Wirkung für die Artenvielfalt.
Warum Molche im Garten eine Bereicherung sind
Molche erfüllen im Ökosystem eine zentrale Rolle. Als nachtaktive Räuber ernähren sie sich von Insekten, Würmern, Spinnen, Schnecken und deren Eiern – also genau jenen Organismen, die in einem Garten leicht überhandnehmen können. Gleichzeitig sind sie selbst Beute für Vögel, Igel und andere Wildtiere und damit integraler Bestandteil des natürlichen Gleichgewichts.
In der Schweiz leben mehrere Molcharten, darunter der Bergmolch, Teichmolch und der eher seltene Alpenkammmolch. Alle stehen unter Schutz und profitieren von naturnahen Gärten, die ihre Bedürfnisse respektieren.
Besonders wertvoll sind Gärten mit strukturreichen Übergängen zwischen Wasser und Land – denn Molche leben im Jahresverlauf in beiden Lebensräumen.
Der ideale Teich für Molche: fischfrei, flach und bepflanzt
Die Teichgestaltung ist der wichtigste Faktor bei der Ansiedlung von Molchen. Bereits kleine Teiche von 2–3 Quadratmetern können genügen, wenn sie sinnvoll aufgebaut sind. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus guter Zugänglichkeit, Schutzräumen und Nahrung.
Worauf es bei der Teichgestaltung ankommt
- Kein Fischbesatz: Fische fressen Laich und Larven und machen Molchen den Lebensraum streitig.
- Sanft abfallende Ufer: Uferzonen mit maximaler Durchmischung von Wasser, Sumpf und Land fördern die Artenvielfalt.
- Verschiedene Tiefenzonen: Ein Teil des Teichs sollte mindestens 60 cm tief sein, um Austrocknung zu verhindern.
- Einheimische Wasserpflanzen: Sie bieten Deckung und Eiablageplätze (z. B. Laichkräuter, Tausendblatt, Wasserstern).
- Keine Technik notwendig: Molchteiche funktionieren ohne Filter oder Pumpe – je natürlicher, desto besser.
Eine kleine Böschung mit Totholz, Moos und Laub am Teichrand sorgt für Schatten und Rückzugsorte. Hier ruhen sich die Tiere tagsüber aus oder verbringen heisse Sommertage geschützt und feucht.
Landlebensräume für Molche gestalten: Unterschlupf ist Trumpf
Molche leben nur während ihrer Fortpflanzungszeit (Frühjahr bis Frühsommer) im Wasser. Den Rest des Jahres verbringen sie an Land – in feuchten, dunklen Verstecken. Deshalb ist der terrestrische Teil ihres Lebensraums mindestens ebenso wichtig wie der Teich.
Geeignete Strukturen schaffen
- Laub- und Asthaufen: Diese bieten Schutz, Nahrung und ideale Bedingungen zur Überwinterung.
- Kompostplätze: In warmen Komposthaufen finden Molche Kleintiere und Feuchtigkeit.
- Steinhaufen mit Erdverbindung: Besonders Trockenmauern oder aufgeschichtete Natursteine mit Spaltenzugang zum Boden sind wertvolle Rückzugsorte.
- Schattenbereiche: Dichte Vegetation, z. B. unter Sträuchern oder Hecken, bewahrt die Feuchtigkeit im Boden.
Wichtig ist, dass Gartenbereiche nicht komplett versiegelt oder „aufgeräumt“ werden. Unordentlichkeit im ökologischen Sinn ist hier ausdrücklich erwünscht – sie bedeutet Lebensraum.
Was es bei Gartenpflege und Verhalten zu beachten gibt
Ein molchfreundlicher Garten verlangt keine aufwendige Pflege – eher das Gegenteil. Entscheidend ist ein respektvoller Umgang mit der Natur. Ein paar einfache Verhaltensregeln helfen, den Lebensraum langfristig zu sichern:
- Gartenarbeiten in der Dämmerung oder bei Feuchtigkeit vermeiden – dann sind Molche aktiv und könnten verletzt werden.
- Nie Mulch oder Laub rigoros entfernen – es könnte als Versteck genutzt werden.
- Beim Rasenmähen auf flachere Feuchtstellen achten – dort verstecken sich oft Jungmolche.
- Keine chemischen Dünger, Herbizide oder Insektizide verwenden – sie schaden Molchen massiv.
- Teich nur teilweise reinigen, niemals im Winter oder während der Laichzeit vollständig leeren.
Auch bei der Planung von Gartenprojekten sollte auf vorhandene Molchhabitate Rücksicht genommen werden. Steingärten, Kunstrasen oder versiegelte Flächen sind kontraproduktiv.
Rechtlicher Schutz von Molchen in der Schweiz
Molche sind in der Schweiz streng geschützt. Das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) sowie die entsprechende Artenschutzverordnung verbieten das Fangen, Halten oder Umsetzen von Amphibien. Auch das gezielte Aussetzen – etwa gekaufter Molche – ist untersagt und kann zu ökologischen Problemen führen.
Wer Molche im Garten beobachtet, darf sich freuen – und sollte die Tiere durch geeignete Massnahmen in Ruhe unterstützen. Bei grösseren Vorkommen oder Fundorten lohnt es sich, lokale Amphibienschutz-Initiativen zu kontaktieren.
So funktioniert natürliche Ansiedlung – mit Geduld
Molche besiedeln neue Teiche oft von selbst – sofern die Umgebung stimmt und die Art bereits in der Nähe vorkommt. Das kann jedoch Monate oder sogar Jahre dauern. Besonders in ländlichen Regionen oder in der Nähe von Wäldern und Feuchtgebieten sind die Chancen gut.
Geduld ist dabei essenziell. Wildtiere reagieren empfindlich auf Veränderungen, insbesondere wenn sie durch künstliche Einträge oder menschliche Störungen beeinträchtigt werden. Ein naturnaher, sich selbst überlassener Garten entwickelt mit der Zeit seine eigene Dynamik – und wird zum sicheren Zufluchtsort für viele Arten.
Fazit: Mit kleinen Schritten zum grossen Naturerfolg
Molche zu unterstützen ist einfacher, als es zunächst scheint – und jede Handlung zählt. Ein Teich ohne Fische, ein ruhiger Rückzugsort unter einem Asthaufen, ein bisschen liegengebliebenes Laub: All das kann über Leben oder Tod entscheiden. Molche danken solche Rückzugsorte mit ihrer Anwesenheit und helfen ganz nebenbei, das ökologische Gleichgewicht zu bewahren.
Ein Garten, der Molche willkommen heisst, wird ganz nebenbei auch für Menschen attraktiver. Er lädt ein zum Beobachten, Lernen und Staunen – und vermittelt das gute Gefühl, aktiv zum Erhalt unserer heimischen Biodiversität beizutragen.
Quelle: gartenaktuell.ch-Redaktion
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